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Pressemitteilung vom 26.08.2020 | Bes­se­re Be­zah­lung für Leh­rer

Nach und nach neh­men Schu­len wie­der vor­sich­tig den Be­trieb auf: Da­für müs­sen um­fas­sen­de Hy­gie­nekonzepte er­stellt und oft völl­ig neue Lehr­plä­ne erstellt wer­den. Ganz oft ha­tten zuletzt die Leh­re­rin­nen und Leh­rer ei­nen re­gel­rech­ten Schicht­be­trieb zu or­ga­ni­sie­ren. Dies gilt erst Recht in Nie­der­sach­sen, wo der Schuls­tart nach den Som­mer­fe­ri­en nun­mehr un­mit­tel­bar be­vor­steht. Ge­ra­de Grund­schul­leh­rer sind in­so­weit für die Kin­der ge­son­dert ge­for­dert.

 

Ver­ges­sen wird da­bei aber ger­ne:

Grund­schul­leh­rer ver­die­nen bis zu 500,00 € we­ni­ger pro Mo­nat als et­wa ih­re Kol­le­gen an Gym­na­si­en. Denn Grund­schul- und Haupt­schul­leh­rer wer­den nach der Be­sol­dungs­grup­pe A12 be­zahlt - und das be­deu­tet der­zeit im gehobenen min­des­tens 3.500,00 € brut­to im Mo­nat. Ein Leh­rer an ei­nem Gym­na­si­um be­kommt im höheren Dienst min­des­tens 600,00 € mehr. Da die Sum­me in den ein­zel­nen Be­sol­dungs­grup­pen je nach Dienst­zeit und Le­bens­um­stän­den steigt, kann die Span­ne im Ex­trem­fall so­gar bis zu 1.500,00 € mo­nat­lich be­tra­gen.

Beim Lehr­amt für Gym­na­si­en liegt der Schwer­punkt auf den Un­ter­richts­fä­chern, das Stu­di­um dau­ert in der Re­gel ein Jahr län­ger. Aber recht­fer­tigt das ei­ne le­bens­lang bes­se­re Be­zah­lung?

Vie­le Leh­rer sind in­so­weit ver­är­gert; sie ver­die­nen we­ni­ger Geld als aus­ge­bil­de­te Gym­nasi­al­leh­rer, "ob­wohl sie die­sel­ben Kin­der un­ter­rich­ten". Zu­dem sind die Aufs­tieg­schan­cen in den ein­zel­nen Be­sol­dungs­grupp­en für Grund­schul­leh­rer viel ge­rin­ger als für Kol­le­gen an Gym­na­si­en.

 

Wie viel Geld Leh­rer be­kom­men, ent­schei­det je­des Bun­des­land selbst. In­zwi­schen ha­ben immerhin ein­zel­ne Bun­des­län­der wie Ber­lin oder Bran­den­burg rea­giert und in die­sen Län­dern da­s Ge­halt an­ge­ho­ben, in­dem Grund­schul­leh­rer nun nach A13 für Be­am­te und nach E13 für An­ge­stell­te be­zahlt wer­den.

Ge­ra­de we­gen des wach­sen­den Leh­rer­man­gels ge­ra­ten an­de­re Bun­des­län­der in­zwischen we­gen der Be­zah­lung un­ter Druck. So ver­suchte et­wa Ber­lin, Leh­rer mit dem Spruch: "Wir zah­len bes­ser!" ab­zu­wer­ben. Und Nord­rhein-West­falen hat an­ge­kün­digt, die Be­sol­dungss­tu­fen an­zu­glei­chen.

 

In Nie­der­sach­sen bleibt es al­ler­dings bei der un­glei­chen Be­zah­lung, zu­min­dest für Grund­schul­leh­rer. Jen­seits der bil­dungs­po­li­ti­schen Fra­ge­stel­lun­gen, die da­mit ver­bun­den sind, dürf­te vor dem Hin­ter­grund die­ser Ent­wick­lung die an­hal­tend nied­ri­ge Be­sol­dung von Grund­schul­leh­rern in Nie­der­sach­sen al­ler­dings auch rechts­wid­rig sein.

Die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Grund­schul- und Gym­na­sial­leh­rern hat al­lein his­to­ri­sche Grün­de und ist heu­te nicht mehr be­gründ­bar. Dies folgt eu­ro­pa­recht­lich aus dem An­tidis­krimi­nie­rungs­recht und auch aus dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Grund­geset­zes. Recht­li­che Gut­ach­ten ge­lan­gen in­zwi­schen zu dem Er­geb­nis, dass im Ver­hält­nis zwi­schen Grund­schul­leh­ramt und an­de­ren Lehr­äm­tern sach­wi­dri­ge Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­rien ver­wen­det wer­den, die der Über­prü­fung du­rch Ar­ti­kel 3 Abs. 1 GG nicht stand­hal­ten.

 

Die Kanz­lei Grüb­bel in Wil­des­hau­sen ver­tritt da­her in­zwi­schen verschiedentlich Leh­rer in Ver­fah­ren gegen die Lan­des­schul­be­hör­de vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten, um hierüber für Grundschulleh­rer die künf­ti­ge bessere Be­zah­lung nach der Be­sol­dungs­grup­pe A13 zu er­strei­ten (Ver­fah­ren bei dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ol­den­burg zu Az.: 6 A 809/20 u.a.).

Wenn nun­mehr in Nie­der­sach­sen die Schu­le be­ginnt und dann in al­len Reden die be­son­de­re Be­deu­tung des Schuls­tarts be­tont wird, soll­te im­mer an die doch eigentlich un­fai­r niedrige Be­zah­lung von Grund­schul­leh­rern in Nie­der­sach­sen er­in­nert sein.

 

Be­trof­fe­ne Leh­rer kön­nen ge­gen­wär­tig immerhin da­rauf ver­wie­sen wer­den, dass ih­nen der Rechts­weg zu den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten of­fens­te­ht.

 

f.d.R.

Oli­ver Grüb­bel, Rechtsanwalt